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„Der
Graupner bleibet“
Erfolgreich
verlaufenes Festwochenende zu Ehren des Darmstädter Hofkapellmeisters
Christoph Graupner (1683-1760)
„Der
Graupner bleibet!“ – dieser fast schon legendäre Satz des
Hessen-Darmstädtischen Landgrafen Ernst Ludwig, mit dem er seinem
Hofkapellmeister Christoph Graupner (1683-1760) die Übernahme der
Stelle als Leipziger Thomaskantor verweigerte – und damit indirekt
die Karriere von Johann Sebastian Bach beförderte – ist gleichermaßen
geeignet als Resümee für das Festwochenende „Graupner 2010“. Mit
Vorträgen und Konzerten gedachte die Darmstädter
Christoph-Graupner-Gesellschaft e. V. vom 14.-16. Mai des 250.
Todestages des Barockkomponisten, der über 50 Jahre lang sein Amt in
der Hessischen Residenz Darmstadt ausgeübt hatte - und zieht nun eine
Woche nach dem Geschehen eine erste Bilanz. Wie man demnach
feststellen konnte, wurde die in der internationalen Fachwelt
unumstrittene Bedeutung Christoph Graupners auch im Bewusstsein der öffentlichen
Entscheidungsträger, des kulturellen Lebens sowie des allgemeinen
Publikums nachhaltig vertieft.
Großes Interesse der Öffentlichkeit
Als
am Sonntagabend (16.) die Zugabe des dritten, den Sinfonien gewidmeten
Konzertes zu Ende war, mit La Stagione aus Frankfurt unter der Leitung
von Michael Schneider, ein Satz von Graupner mit charakteristischen,
an die Jagdleidenschaft der Darmstädter Landgrafen erinnernden Hornklängen
- konnte man die Freude der Ehrenamtlichen der
Christoph-Graupner-Gesellschaft förmlich spüren. Unter der
Vorsitzenden Prof. Dr. Ursula Kramer von der Universität Mainz war
das anspruchsvolle und ehrgeizige Programm verwirklicht worden. Es
hatte mit dem ersten von drei Symposien unter dem Titel „Darmstadt
und die hessische Residenz in der ersten Hälfte des 18.
Jahrhunderts“ am
Freitagmittag im Darmstädter Karolinensaal begonnen. Schon bei der Eröffnung
durch Frau Prof. Kramer und Frau Dr. Silvia Uhlemann von der
Graupner-Forschungsstelle der ULB fiel die große Beteiligung der Öffentlichkeit
auf. Beispielhaft für das Interesse der Musikliebhaber war der
ehemalige Ingenieur Jean-Pierre Connerotte, der als Seniorstudent
Musikwissenschaft betreibt und eigens aus Brüssel angereist war.
Prominente Fürsprecher
Für
die kanadische Cembalistin Geneviève Soly, die den Konzertreigen im
barocken Gebäude der Darmstädter Orangerie mit der Gegenüberstellung
„Händel & Graupner vis à
vis“ eröffnete, war diese Situation wie ein „Nach-Hause-Kommen“.
Bereits 2002 und 2006 war sie hier aufgetreten und empfand das Spiel
an Graupners Wirkungsstätte „als Privileg“. Der zweimanualige
Nachbau eines Ruckers-Cembalos von 1624 mit barocker
Landschaftsmalerei auf der Innenseite des Deckels konnte hierbei auch
optisch überzeugen. Als Privileg wurde es beispielsweise auch von den
Besuchern der Ausstellung “Christoph Graupner: 50 Jahre
Hofkapellmeister in Darmstadt“ empfunden, die als sein eigenes
Instrument angesprochene Viola d’ Amore zu bewundern, deren
Besitzgeschichte ein eigenen Krimi abgeben könnte. Bei der Eröffnung
der von Frau Dr. Uhlemann zusammengestellten Schau am Samstag im
Darmstädter Schloss sprach Staatsministerin a. D. Ruth Wagner auch
als Vorsitzendes des Darmstädter Kulturausschusses die Wichtigkeit
des Gedenkwochenendes an. Schirmherrin des gesamten
Festwochenendes war die Hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann.
Internationales Stadtmarketing
Unterstrichen
wurde diese Bedeutung durch die Überreichung der Darmstädter
Musikmedaille von 1983 (300 Jahre Geburtstag Christoph Graupner, 100
Jahre Todestag Friedrich von Flotow), mit der Darmstadts Oberbürgermeister
Walter Hoffmann als Gastgeber beim offiziellen Empfang den Vorstand
der Christoph-Graupner-Gesellschaft mit der 1. Vorsitzenden Prof. Dr.
Ursula Kramer und ihren Stellvertretern Dr. Michael Hüttenberger und
Stadtrat Karl-Peter Föhrenbach, das Engagement der Mitglieder und die
Bedeutung der Gedenkfeierlichkeiten für die Stadt Darmstadt würdigte
– auch im Sinne eines internationalen Stadtmarketings durch die
Bekanntheit des Darmstädter Komponisten. Ebenfalls anwesend war
Karl-Heinz Hüttenberger, der Vater des 2. Vorsitzenden, der in seiner
Arheilger Zeit als Kirchenmusiker das musikalische Erbe Graupners
wiederbelebt hatte.
Eindrucksvolle Gestik – 300
Jahre Darmstädter Theatergeschichte
Die
wissenschaftlichen Symposien am Samstag und Sonntag waren der Oper
bzw. Sinfonie gewidmet und korrespondierten mit den abends
stattfindenden Konzerten. So war der Samstagabend der Oper
vorbehalten, was auch durch in zeitgenössischen Kostümen flanierende
Vereinsmitglieder unterstrichen wurde. Schon der Beginn verzauberte
die Zuschauer, als die junge Sopranistin Marnie Zschöckner Kostproben
gestischer Realisierung von Graupners Opernszenen gab. Erarbeitet wurde dies mit der belgischen Regisseurin Sigrid T‘Hooft. Das
flämische Ensemble Ex tempore unter der Leitung von Florian Heyerick
präsentierte im Verlauf des Abends Ausschnitte aus Graupners
Hamburger Opern „Dido, Königin von Carthago“ und „Antiochus und
Stratonica“, mit Elisabeth Scholl, Sopran, Reinoud Van Mechelen,
Tenor und Stefan Geyer, Bariton als weiteren Solisten. Besonders vergnüglich
waren die Moderationstexte von Peter Huth, vorgetragen von Michael
Kaiser von der Komödie Kassel. Dieses Konzert wies bereits auf
Feierlichkeiten des kommenden Jahres hin: „300 Jahre Darmstädter
Theatergeschichte“. Im Jahre 1711 wurde nämlich mit Graupners Oper
„Telemach“ das von Remy de la Fosse umgebaute Opernhaus in der Nähe
des Herrngartens eröffnet. Eine Opernaufführung im Oktober 2010
gemeinsam mit dem Darmstädter Konzertchor bringt vielleicht ein
Wiedersehen mit manchen der Akteuren.
„Impuls
wird auch in den nächsten Jahren zu spüren sein"
„Ein kleiner Verein hat ein großes
Ereignis gestemmt, und dabei sind wunderbare neue Erfahrungen und
Erkenntnisse um die Musik Graupners zu Tage getreten, die nicht nur im
kleinen Expertenkreis, sondern auch beim größeren Darmstädter
Publikum positiv und dankbar aufgenommen worden sind. Das ist uns
Ansporn, auch in der näheren Zukunft weiter am Projekt „Der
Graupner bleibet“ zu arbeiten. Dass den Anfang dazu die einzige
Darmstädter Oper Graupners, Berenice und Lucilla am 29. Oktober in
der Orangerie in barocker Inszenierung durch Sigrid T’Hooft macht,
ist ein viel versprechender Beginn. Die Graupner-Ge-sellschaft setzt
alles daran, dass der Impuls von ‚Graupner 2010’ auch in den nächsten
Jahren zu spüren sein wird“, meinte abschließend die Vorsitzende
Ursula Kramer, die bei dieser Gelegenheit noch einmal allen Sponsoren
und ehrenamtlichen Helfern herzlich dankte.
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