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Christoph Graupner
wurde im Januar 1683 im sächsischen Kirchberg geboren. Er war einer
der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit, auch wenn er später
durch unglückliche Umstände fast völlig in Vergessenheit geriet.
Zu seinen Freunden und Bewunderern zählten die Komponisten
Telemann, Mattheson und Fasch, wobei letzterer auch sein Schüler
war. Er stand mit vielen seiner Kollegen, die er aus seiner
Studienzeit in Leipzig kannte, in regem Austausch. Seine Studien
absolvierte er bei Schelle und Kuhnau, den Vorgängern J. S. Bachs
an der Thomaskirche. Graupner war wie sein Freund und Kollege
Heinichen bevorzugter Schüler von Kuhnau.
Nach
musikalischem und juristischem Studium verließ er Leipzig im Jahre
1705 oder 1706 in Richtung Hamburg und wurde Cembalist an der
dortigen Oper, die unter der Leitung Reinhard Keisers damals eines
der lebendigsten und bekanntesten Häuser Europas war. Bald darauf
wurde er Keisers Assistent. Er komponierte in jener Zeit einige
Opern, die beim Publikum großen Anklang fanden.
Der
Landgraf von Hessen-Darmstadt, ein begeisterter Musikliebhaber und
Amateur-Komponist, bekam während seiner Aufenthalte in Hamburg
einige der Graupnerschen Opern zu hören und war begeistert. Er
holte den Musiker 1709 an seinen Hof und machte ihn 1712 zu seinem
Hofkapellmeister.
Am
Darmstädter Hof blieb Christoph Graupner bis zu seinem Tod im Jahre
1760 war er hier in Anstellung. Das Komponieren musste er jedoch
bereits 1754 aufgeben, da er in jenem Jahr völlig erblindete. Er
leitete hier das Orchester, das er zu hohem Ansehen führte, und war
für die gesamte Musikproduktion verantwortlich, einschließlich der
Leitung des Theaters, der Kapelle und der Kammermusik. Neben den
Werken für Cembalo (42 Partiten) umfasst sein Schaffen mehrere
Opern, die zum Teil verloren gegangen sind, 1.423 geistliche und 24
weltliche Kantaten, 44 Konzerte für ein bis vier Soloinstrumente,
85 Ouvertüren bzw. Suiten für Orchester und einige Dutzend Sonaten
(Triosonaten sowie a quattro und a sei). Er betätigte sich zudem
als Kopist von Orchesterstücken seiner Zeitgenossen, um deren Werke
mit seinen Musikern spielen zu können. (Dadurch sind beispielsweise
einige Werke von Telemann nur noch in Abschriften von Graupner
erhalten.)
Heute
kennt man aus seinem Leben vor allem die Episode seiner Bewerbung um
das Amt des Kantors an der Thomas-Kirche zu Leipzig. Nachdem
Telemann abgelehnt hatte, wurde Graupner
berufen, musste diese begehrte Anstellung aber mit großem
Bedauern zurückweisen, da ihm sein Dienstherr, der Landgraf die
Entlassung verweigerte. Es wird berichtet, dass Graupner sich nach
diesem Misserfolg in kollegialer Weise für die Wahl des Kandidaten
J. S. Bach ausgesprochen habe, was für diese Zeit angesichts der
gesellschaftlich eher untergeordneten Stellung von Musikern ein
äußerst ungewöhnlicher Schritt war.
Als
Komponist religiöser Musik, Kontrapunktiker und virtuoser Cembalist
erlangte Graupner großen Ruhm. Er war ein aufrechter, ehrlicher und
musikalisch sehr gebildeter Mann, allem Neuen zugewandt, energisch,
unermüdlich und äußerst produktiv. Er wurde geschätzt, gepriesen
und bewundert, und – mit Fug und Recht – von seinen Musikern
geliebt. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, mit einer
unermesslich großen Liebe zur Musik, blieb er dennoch zeitlebens
ein einfacher und zurückhaltender Mann.
©
Geneviève
Soly, Mai 2006
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