zurückliegende Konzerte der Christoph-Graupner-gesellschaft  e. v.
  Passionskonzert am 12. März 2005 in der Pauluskirche in Darmstadt

     Nach dem Konzert am Samstag, 12. März 2005, 22 Uhr.
    
Kritik (Darmstädter Echo - Kulturszene - 14.03.2005) >

Das Konzert ist Bestandteil des Programms der 675-Jahr-Feier der Stadt Darmstadt und wurde unterstützt vom Kulturamt der Stadt Darmstadt, von der Sparkasse Darmstadt, der HSE (HEAG Südhessische Energie AG) und privaten Spendern.

Die Christoph-Graupner-Gesellschaft bedankt sich beim EAD (Ehrenamt für Darmstadt) für die tatkräftige Hilfe am Konzertabend.

Programm:
CHRISTOPH GRAUPNER
Drei Kantaten aus dem Passionszyklus von 1741
Wieder- bzw. Erstaufführungen nach unveröffentlichten Quellen

Kommt Seelen, seid in Andacht stille
Kantate zum Sonntag Estomihi 1741
Passionszyklus 1741 Nr.1

Christus, der uns selig macht
Kantate zum Sonntag Reminiszere 1741
Passionszyklus 1741 Nr.3

Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen
Kantate zum Sonntag Lätare 1741
Passionszyklus 1741 Nr.5

Ausführende:
Eva Lebherz-Valentin, Sopran
Felix Ühlein,  Alt(us)
Martin Steffan, Tenor
Markus Matheis, Bass
Kammerorchester der CGG
Olaf Joksch, Cembalo
Stefan Gleitsmann, Oboe
Leitung: 
Karl-Heinz Hüttenberger

Christoph Graupner (1683-1760) war über 50 Jahre lang landgräflicher Hofkapellmeister in Darmstadt. Innerhalb des Graupner’schen Schaffens  (über 1400 Kantaten) nehmen die beiden Passionszyklen von 1741 (10 Kantaten) und 1743 (7 Kantaten) eine besondere Stellung ein. Nach Texten von  Johann Conrad Lichtenberg (1689-1751) - dem Vater des später berühmt gewordenen Göttinger Physikers - komponiert, erweisen sie sich als Höhepunkt in Graupners Werk und gewähren uns einen Einblick in die Vielfalt seiner kompositorischen Fähigkeiten. Alte Stilelemente werden neu interpretiert, von der einfachen Liedform bis zur kontrapunktischen Choralbearbeitung, von motettischen Ensemble-Sätzen bis hin zu den figurierten Schluss-Chorälen, die den damaligen höfischen Gewohnheiten entsprechend nur von Solisten gesungen werden. Eine weitere Besonderheit sind die Arien und Duette, von Schlichtheit bis zur höchsten kontrapunktischen Kunstfertigkeit ist hier alles zu finden.

Wenn auch die Jahreszahlen etwas anderes vermuten lassen, so ist Graupner kein Barock-Komponist mehr. Er war immer für Neues offen, ließ sich davon inspirieren und baute es in seinen ganz persönlichen Stil ein, der zur Vorklassik weist und teilweise darüber hinaus geht - ein Musikstil, der uns noch nicht sehr geläufig ist, aber heute immer mehr auf Interesse und Verständnis stößt und internationale Beachtung findet. Ganz im Sinne Graupners wird deshalb auf barocke Spieltechniken verzichtet. 

Karl-Heinz Hüttenberger, der sich seit über 30 Jahren mit dem Werk Graupners beschäftigt, hat die Auswahl der Kantaten vorgenommen. Der unterschiedliche Charakter der einzelnen Kantaten zeigt den Spannungsbogen im Werk des Darmstädter Meisters auf. Hüttenberger übertrug die Kantaten aus den Graupner´schen Urschriften, setzte den Generalbass nach der Originalbezifferung aus und stellte das Aufführungsmaterial her.    

Die Kantaten Nr. 1 und 3 wurden erstmalig seit Graupners Zeit im Jahre 1978 in der Auferstehungskirche zu Darmstadt-Arheilgen aufgeführt.
Die Kantate Nr. 5 „Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen“  ist, nach allem was wir wissen, eine Erstaufführung und seit ihrer Uraufführung1741 nicht mehr erklungen. 

Ja mehr noch: Wahrscheinlich hat selbst Graupner sie nicht einmal in der uns als Partitur überkommenen Form gehört. Die hier vorgesehene Oboe d’amore (Nr.3 Duetto: Tenor-Bass) scheint damals aus uns heute unbekannten Gründen ausgefallen zu sein und wurde durch ein Fagott ersetzt. Dessen Stimme, von Graupner neu komponiert, stellt lediglich eine Umspielung der Oboe d’amore-Stimme dar und könnte von beiden aus satztechnischen Gründen nicht gemeinsam musiziert werden. Die als Ersatz geschriebene Fagottstimme stammt eindeutig aus Graupners Hand. 
Gespielt wird die von dem Komponisten ursprünglich vorgesehene Form.

Das Kammerorchester der Christoph-Graupner-Gesellschaft ist ein eigens für dieses Konzert zusammengestelltes Ensemble unter der Führung von Prof. Sándor Károlyi.  

 
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