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Darmstädter Echo 05.11.2003
Reize einer „Liebesgeige“ Ausblick:
Werke mit Viola d’amore des Hofkomponisten Christoph Graupner
DARMSTADT. Erst vor drei Jahren wurde sie wiederentdeckt, eine
von Georg Skotschofsky 1724 gebaute Viola d’amore. Er war
Mitglied der Darmstädter Hofkapelle, die von 1709 an rund ein
halbes Jahrhundert von Christoph Graupner geleitet wurde. Doch eigenartigerweise
war Skotschofsky nicht als Streicher, sondern als Trompeter in der
Hofkapelle engagiert. Er baute offenbar nebenbei Streichinstrumente.
Eine weitere Viola d’amore Skotschofskys befindet sich in
Paris im Museum, eine Violine wurde erst kürzlich entdeckt.
Die Viola von 1724 ist jetzt wieder spielbar gemacht worden und
erklingt am Sonntag (9.) erstmals in Darmstadt in einem Konzert
mit bisher unveröffentlichten Werken Graupners. Der Darmstädter
Hofkomponist muss wohl von diesem Instrument sehr angetan gewesen
sein, denn seither verwendete Graupner in seinen Werken die Viola
d’amore mit Vorliebe. Vor allem wegen des einschmeichelnden
warmen und feinen Tons dieses Instruments, das daher auch „Liebesgeige“
(Viola d’amore) genannt wurde. So erklingen in dem Konzert,
das vom Collegium Cantorum, einem von Oswald Bill geleiteten Chor,
in Verbindung mit der im Februar gegründeten Christoph-Graupner-Gesellschaft
ausgerichtet wird, vorwiegend Stücke mit Viola d’amore.
Ludwig Hampe, ein Spezialist auf diesem Instrument, wird es spielen.
Bill und Michael Hüttenberger, Vorsitzender der Graupner-Gesellschaft,
stellten gestern in der Darmstädter Erich-Kästner-Schule
das Projekt vor und lobten den volltönenden, ausdrucksstarken
Klang des Instrumentes, das – historisch korrekt – mit
sechs Metallsaiten bestückt sei. Andere Streichinstrumente
waren damals mit Darmsaiten bezogen. Graupner, der vor seiner Darmstädter
Zeit in Hamburg tätig gewesen war, bevorzugte den norddeutschen
Typ ohne Resonanzsaiten – der süddeutschen Bauweise nach
hätte diese Viola noch sechs zusätzliche Resonanzsaiten,
also insgesamt zwölf Saiten besessen. Für Bill, der sich
intensiv mit Graupner befasst und zugleich Sprecher des wissenschaftlichen
Beirats der Graupner-Gesellschaft ist, wie für den Vorsitzenden
Hüttenberger, dient dieses Konzert dazu, auf diese Gesellschaft
aufmerksam zu machen, die wohl für das Jahr 2010, also zum
250. Todesjahr des Komponisten, ein größeres Projekt
anvisiert. Vier Werke Graupners werden jetzt aus bislang unveröffentlichten
Quellen vorgestellt: die Ouvertüre d-Moll, die beiden Kantaten
„Wer die Wahrheit tut“ und „Ach, Sterbliche, bedenkt
das Ende“ und die Sonate D-Dur für zwei Violinen und
Basso continuo. Die Gesangssolisten sind Elisabeth Schmock, Sopran,
und Markus Lemke, Bass. Das Ensemble „Antichi Strumenti“
unter der Leitung von Tobias Bonz spielt auf historischen Instrumenten,
das nunmehr 25 Jahre bestehende Collegium Cantorum mit rund 20 Sängern
übernimmt den Chorpart. Das Konzert wird gefördert vom
hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, vom Kulturamt
der Stadt Darmstadt, von der evangelischen Kirche in Hessen und
Nassau sowie von privaten Spendern. Den Text zu den beiden Kantaten
schrieb übrigens Johann Conrad Lichtenberg, Pfarrer in Neunkirchen
im Odenwald, später in Ober-Ramstadt und Darmstadt, und Vater
des berühmten Physikers und Schriftstellers Georg Christoph
Lichtenberg. So lag es nahe, eine Art Vorkonzert mit demselben Programm
in Neunkirchen auszurichten. Kantaten und Instrumentalstücke
von Graupner erklingen am Samstag (8.) um 19 Uhr in der Kirche in
Neukirchen und am Sonntag (9.) in der Michaelskirche in Darmstadt
um 19 Uhr.
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