Pressestimmen zur Christoph-Graupner-gesellschaft  e. v.
 

Darmstädter Echo 14.01.2005

Alles eine Frage der Passion
Ausblick: Konzert mit drei Kantaten aus dem Jahr 1741 des einstigen Hofkapellmeisters Christoph Graupner am 12. März in der Pauluskirche in Darmstadt

DARMSTADT. Über 1400 Kantaten hat Christoph Graupner (1683-1760) als Darmstädter Hofkapellmeister geschrieben. Als Musik für den sonntäglichen Gebrauch in der Schlosskapelle verschwanden diese Werke allerdings rasch in der Versenkung. Wären nicht Karl-Heinz Hüttenberger, der ehemalige Kantor an der Arheilger Auferstehungskirche, der sich seit 30 Jahren intensiv mit Graupner befasst, Oswald Bill, der ehemalige Leiter der Musikabteilung in der Hessischen Landesbibliothek im Schloss, Wolfgang Seeliger mit seiner „Darmstädter Hofkapelle“ oder das Bessunger Kammerorchester unter Jörg Mangelsdorf, die Werke des einst angesehenen Darmstädter Komponisten würde heute kaum jemand mehr kennen. Jetzt tut die Anfang 2003 gegründete Graupner-Gesellschaft ein Übriges, sich nachdrücklich für den Barock-Komponisten einzusetzen, der bereits an der Schwelle zur Vorklassik steht.

Im Rahmen der 675-Jahrfeiern der Stadt Darmstadt richtet die Graupner-Gesellschaft am Sonntag, dem 12. März, um 20 Uhr in der Darmstädter Pauluskirche ein Konzert mit Passionskantaten Graupners aus. Am vergangenen Mittwochabend stellten Hüttenberger und dessen Sohn Michael Hüttenberger, Vorsitzender dieser Gesellschaft, im Musiklesesaal der Bibliothek, wo viele Handschriften Graupners aufbewahrt werden, das Programm vor. Drei Kantaten aus einem Passionszyklus von zehn Werken aus dem Jahre 1741 sollen am Passionssonntag unter der Leitung des einstigen Arheilger Kantors aufgeführt werden: die erste Kantate „Kommt Seelen, seid in Andacht stille“, die dritte Kantate „Christus, der uns selig macht“ und die fünfte „Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen“. Die Texte stammen übrigens von Johann Conrad Lichtenberg, einst Pfarrer in Neunkirchen, Ober-Ramstadt und Darmstadt, dem Vater des Aphoristikers und Physikers Georg Christoph Lichtenberg.

Ausgewählt hat Karl-Heinz Hüttenberger die drei Passionskantaten, weil sie einen guten Eindruck von der kompositorischen Bandbreite Graupners vermitteln und als Spätwerk einen Höhepunkt in dessen Schaffen darstellen. Im Gegensatz zu Bach hat Graupner die Choralmelodien nie geändert und ausgeziert, sie werden aber bei dem Darmstädter Komponisten von den Begleitinstrumenten stärker umspielt, betont Hüttenberger, der die Kantaten nach Urschriften mitsamt dem bezifferten Generalbass für den praktischen Gebrauch eingerichtet hat. Dabei sei ihm aufgefallen, dass Graupner recht genau notiert, wie die Töne zu spielen seien – bis hin zum Ausschreiben der Verzierungen. Der Komponist sei für die modernen Bestrebungen der Vor- und Frühklassik recht aufgeschlossen gewesen. So verwendet Graupner in den Arien oft das Chalumeau (Vorläufer der Klarinette) als Begleitinstrument.

Der Chor ist – wie damals üblich – mit jeweils einer Stimme in den Lagen Sopran, Alt, Tenor und Bass auch bei der geplanten Aufführung am 12. März solistisch besetzt. Das begleitende Kammerorchester der Christoph-Graupner Gesellschaft besteht aus jüngeren und ehemaligen professionellen Musikern. Die erste und dritte der Passionskantaten hat Hüttenberger schon einmal aufgeführt: 1978 in Arheilgen. Die fünfte Kantate dürfte jetzt eine Erstaufführung in neuerer Zeit sein.                                                                                                    hz

 
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