Pressestimmen zur Christoph-Graupner-gesellschaft  e. v.
 

Darmstädter Echo 17.10.2005

Ein Meister aus Darmstadt: Graupner-Kantaten in Bessungen

DARMSTADT. Ein halbes Jahrhundert wirkte Christoph Graupner, der Zeitgenosse Bachs, als Kapellmeister am Darmstädter Hof. Seine Musik wurde außerhalb seiner Wirkungsstätte kaum gespielt und fiel weitgehend der Vergessenheit anheim. Die Graupner-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, an das Schaffen des Darmstädter Meisters zu erinnern, dessen Werk fast vollständig in der hiesigen Landesbibliothek aufbewahrt wird.

In der Bessunger Petruskirche führte nun das Ensemble „Musikalisches Antiquarium“ aus München drei geistliche Kantaten Graupners auf, Kostproben aus einem Schatz von mehr als 1400 überlieferten Kompositionen dieser Gattung. Die Kantaten „Warum willst Du unser so gar vergessen“, „Weg, verdammtes Sündenleben!“ und „Befiehl Du Deine Wege“ aus den Jahren 1720 bis 1727 erwiesen sich dabei als knapp und prägnant gestaltete Musik, die sich in keineswegs antiquierter Art auf den Weg der Textdeutung begibt.

Das junge Ensemble widmete sich mit Sachverstand und Eifer der Aufgabe, diese Musik wieder zum Leben zu erwecken. Geigerin Miryam Nothelfer führte die auf historischen Instrumenten spielende kleine Streichergruppe an, die von einer Truhenorgel gestützt wurde. Im Zusammenspiel gab es einige Differenzen. Drei Gesangssolisten führten die recht anspruchsvollen Solopartien auf schlichte, textbezogene Weise aus. Mit gutem Beispiel voran ging Ruby Hughes mit leuchtendem Sopran, etwas verhaltener wirkten Tenor Christoph Teichner und Guido Erdmann, der das Kunststück fertig brachte, im Wechsel als Altus und Bass zu agieren. Die solistische Aufführungspraxis, auch bei den Chorälen, entsprach offenbar der Darmstädter Tradition – ein größerer Chor stand damals wohl nicht zur Verfügung.

Das mit freundlichem Beifall bedachte kurze Konzert zeigte, dass sich die Wiederaufführung von Graupners Kantaten lohnt, auch wenn man sie nicht an den gewichtigen Werken eines Johann Sebastian Bach messen sollte.

tp
17.10.2005

 
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