DARMSTADT. Ein halbes
Jahrhundert wirkte Christoph Graupner, der Zeitgenosse Bachs, als
Kapellmeister am Darmstädter Hof. Seine Musik wurde außerhalb
seiner Wirkungsstätte kaum gespielt und fiel weitgehend der
Vergessenheit anheim. Die Graupner-Gesellschaft hat es sich zur
Aufgabe gemacht, an das Schaffen des Darmstädter Meisters zu
erinnern, dessen Werk fast vollständig in der hiesigen
Landesbibliothek aufbewahrt wird.
In der Bessunger Petruskirche führte nun das Ensemble
„Musikalisches Antiquarium“ aus München drei geistliche
Kantaten Graupners auf, Kostproben aus einem Schatz von mehr als
1400 überlieferten Kompositionen dieser Gattung. Die Kantaten
„Warum willst Du unser so gar vergessen“, „Weg, verdammtes Sündenleben!“
und „Befiehl Du Deine Wege“ aus den Jahren 1720 bis 1727
erwiesen sich dabei als knapp und prägnant gestaltete Musik, die
sich in keineswegs antiquierter Art auf den Weg der Textdeutung
begibt.
Das junge Ensemble widmete sich mit Sachverstand und Eifer der
Aufgabe, diese Musik wieder zum Leben zu erwecken. Geigerin Miryam
Nothelfer führte die auf historischen Instrumenten spielende kleine
Streichergruppe an, die von einer Truhenorgel gestützt wurde. Im
Zusammenspiel gab es einige Differenzen. Drei Gesangssolisten führten
die recht anspruchsvollen Solopartien auf schlichte, textbezogene
Weise aus. Mit gutem Beispiel voran ging Ruby Hughes mit leuchtendem
Sopran, etwas verhaltener wirkten Tenor Christoph Teichner und Guido
Erdmann, der das Kunststück fertig brachte, im Wechsel als Altus
und Bass zu agieren. Die solistische Aufführungspraxis, auch bei
den Chorälen, entsprach offenbar der Darmstädter Tradition – ein
größerer Chor stand damals wohl nicht zur Verfügung.
Das mit freundlichem Beifall bedachte kurze Konzert zeigte, dass
sich die Wiederaufführung von Graupners Kantaten lohnt, auch wenn
man sie nicht an den gewichtigen Werken eines Johann Sebastian Bach
messen sollte.
tp
17.10.2005