Pressestimmen zur Christoph-Graupner-gesellschaft  e. v.
 

Darmstädter Echo 06.10.2006

Begeisterung für Graupner
Konzert: Porträt eines Barock-Meisters: Das kanadische Ensemble „Les idées heureuses“ spielt in der Darmstädter Orangerie

DARMSTADT. Es ist kein Zufall, dass das kanadische Barock-Ensemble „Les idées heureuses“ auf seiner Europa-Tournee Darmstadt als einzigen deutschen Veranstaltungsort gewählt hat. Die acht Musiker um die renommierte Cembalistin Geneviève Soly haben sich der Musik Christoph Graupners verschrieben, des Komponisten, der von 1709 bis 1760 am Darmstädter Hof wirkte und mit Johann Sebastian Bach um den Posten des Leipziger Thomaskantors konkurrierte.

Das von der Graupner-Gesellschaft veranstaltete Konzert in der Darmstädter Orangerie stellte Solostücke für Cembalo, eine Triosonate und Werke für Kammerorchester nebeneinander und bot damit ein anregendes Porträt des Instrumentalkomponisten Graupner. Bei den Orchesterstücken leitete Soly ihr Ensemble vom Cembalo aus auf unaufdringliche Weise; jeder Musiker konnte eigene Impulse setzen und so zum lebendigen Wechselspiel beitragen. In der Ouvertüre d-Moll beeindruckten die rhythmisch interessanten Tanzsätze mehr als der etwas kurzatmige Einleitungssatz. Als Soloinstrument trat die von Graupner bevorzugte Viola d’ amore mit ihrem zarten, melancholischen Klang hervor, souverän gespielt von Helène Plouffe.

Graupners einziges Violinkonzert fand in dem Geiger Olivier Brault einen ebenso virtuosen wie temperamentvollen Interpreten. Er legte sich bei den kontrastreichen, sprunghaften Ecksätzen so ins Zeug, dass seine rote Haarschleife im Takt kräftig mitwippte. Besonders reizvoll der langsame Mittelsatz, zelebriert von der Solovioline mit Dämpfer zur Pizzicato-Begleitung der auf historischen Instrumenten spielenden Streicher.

Die von Bach her bekannte Kombination Präludium und Fuge gibt es bei Graupner nicht, so hatte Geneviève Soly ersatzweise ein Präludium und eine fugierte Gigue für Cembalo in c-Moll zusammengestellt. Die federnde Wiedergabe dieser beiden Stücke kam beim Publikum ebenso gut an wie die differenzierte Interpretation einer Partita in G-Dur für Cembalo. Bei einer dreisätzigen Triosonate in d-Moll und der abschließenden Ouverture E-Dur trat der Flötist Jean-Pierre Pinet zum Ensemble hinzu. Er übernahm auf seiner Traversflöte dezent die Führungsrolle in beiden Werken, alternierend mit Violine und Viola d’ amore. Das zugleich unterhaltsame und anregende Konzert bewies insgesamt, dass sich die Beschäftigung mit Graupner lohnt, wenn sie so kenntnisreich und begeistert betrieben wird wie durch „Les idées heureuses“.

Das Konzert wurde vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet und wird am 27. Januar 2007 ab 20.05 Uhr auf HR2 gesendet.

Klaus Trapp
6.10.2006

 
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