DARMSTADT. Es ist kein
Zufall, dass das kanadische Barock-Ensemble „Les idées heureuses“
auf seiner Europa-Tournee Darmstadt als einzigen deutschen
Veranstaltungsort gewählt hat. Die acht Musiker um die renommierte
Cembalistin Geneviève Soly haben sich der Musik Christoph Graupners
verschrieben, des Komponisten, der von 1709 bis 1760 am Darmstädter
Hof wirkte und mit Johann Sebastian Bach um den Posten des Leipziger
Thomaskantors konkurrierte.
Das von der Graupner-Gesellschaft veranstaltete Konzert in der
Darmstädter Orangerie stellte Solostücke für Cembalo, eine
Triosonate und Werke für Kammerorchester nebeneinander und bot
damit ein anregendes Porträt des Instrumentalkomponisten Graupner.
Bei den Orchesterstücken leitete Soly ihr Ensemble vom Cembalo aus
auf unaufdringliche Weise; jeder Musiker konnte eigene Impulse
setzen und so zum lebendigen Wechselspiel beitragen. In der Ouvertüre
d-Moll beeindruckten die rhythmisch interessanten Tanzsätze mehr
als der etwas kurzatmige Einleitungssatz. Als Soloinstrument trat
die von Graupner bevorzugte Viola d’ amore mit ihrem zarten,
melancholischen Klang hervor, souverän gespielt von Helène Plouffe.
Graupners einziges Violinkonzert fand in dem Geiger Olivier
Brault einen ebenso virtuosen wie temperamentvollen Interpreten. Er
legte sich bei den kontrastreichen, sprunghaften Ecksätzen so ins
Zeug, dass seine rote Haarschleife im Takt kräftig mitwippte.
Besonders reizvoll der langsame Mittelsatz, zelebriert von der
Solovioline mit Dämpfer zur Pizzicato-Begleitung der auf
historischen Instrumenten spielenden Streicher.
Die von Bach her bekannte Kombination Präludium und Fuge gibt es
bei Graupner nicht, so hatte Geneviève Soly ersatzweise ein Präludium
und eine fugierte Gigue für Cembalo in c-Moll zusammengestellt. Die
federnde Wiedergabe dieser beiden Stücke kam beim Publikum ebenso
gut an wie die differenzierte Interpretation einer Partita in G-Dur
für Cembalo. Bei einer dreisätzigen Triosonate in d-Moll und der
abschließenden Ouverture E-Dur trat der Flötist Jean-Pierre Pinet
zum Ensemble hinzu. Er übernahm auf seiner Traversflöte dezent die
Führungsrolle in beiden Werken, alternierend mit Violine und Viola
d’ amore. Das zugleich unterhaltsame und anregende Konzert bewies
insgesamt, dass sich die Beschäftigung mit Graupner lohnt, wenn sie
so kenntnisreich und begeistert betrieben wird wie durch „Les idées
heureuses“.