DARMSTADT. Christoph
Graupner, der einstige Darmstädter Hofkapellmeister, zählte zu den
wichtigsten Komponisten des 18. Jahrhunderts. Er stand sogar ganz
oben auf der Wunschliste der Stadt Leipzig für den zu besetzenden
Posten des Thomaskantorats und damit in Konkurrenz zu Bach, der
damals weniger berühmt war als etwa Graupner, den der Darmstädter
Landgraf aber unbedingt in seiner Stadt halten wollte. Doch heute
ist die Bedeutung Graupners gegenüber Größen wie Bach, Händel
oder Telemann abgeflacht und vorwiegend Insidern bekannt.
Diesem Umstand versucht die Darmstädter Graupner-Gesellschaft um
ihre Vorsitzende Ursula Kramer abzuhelfen. Beispielsweise mit
CD-Aufnahmen die Beachtung Graupners zu stärken. Jetzt ist die
dritte Graupner-CD mit zwei Ouvertürensuiten herausgekommen: die
beiden D-Dur-Ouvertüren (GWV 420 und 421) für zwei Trompeten, zwei
Oboen, Flöte, Streicher und Pauke, eingespielt mit dem Ensemble „Antichi
Strumenti“ vor genau einem Jahr in Mittlach im Elsass.
Aus diesem Grund hat die Graupner-Gesellschaft diese Formation am
Sonntag (1.) zu einem Konzert nach Darmstadt eingeladen. Aufgeführt
werden neben Graupners D-Dur-Suite (GWV 420) noch Suiten von
Telemann und Johann Friedrich Fasch. Dieses Konzert ist zugleich
Auftakt einer neuen Konzertreihe mit dem Titel „Musik aus Darmstädter
Handschriften“, die von der Universitäts- und Landesbibliothek (ULB)
Darmstadt ausgerichtet wird. Da lag es nahe, mit der
Graupner-Gesellschaft als gemeinsamem Veranstalter aufzutreten. Künftig
soll einmal pro Jahr ein Konzert auf die Schätze der Darmstädter
Musiksammlungen aufmerksam machen.
An diesem ersten Konzertabend werden nicht nur die neue
Graupner-CD vorgestellt, sondern auch ein Faksimile-Nachdruck der
Ouvertürensuite (GWV 420), der außerdem eine Einführung der
Mainzer Musikforscherin Ursula Kramer in die Handschrift enthält
sowie eine Einführung in Graupners Ouvertürensuiten durch Tobias
Bonz vom Ensemble „Antichi Strumenti“.
Für das Konzert selbst hat sich die Graupner-Gesellschaft noch
etwas Besonderes ausgedacht. Um die herkömmliche Konzertform
aufzubrechen, wird ein Pantomime (Amin el Barkaoul) mit gestischen
und tänzerischen Bewegungsformen die Musik aus einer modernen
Perspektive ergänzen. Das passt bestens zur Musik Graupners, die tänzerisch
inspiriert ist und Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet.
Darunter auch marschartige Stücke, die der Landgraf so sehr schätzte,
hat er doch selbst einige Märsche komponiert, die sich ebenso im
Besitz der ULB befinden. Und wenn das Konzert am Sonntag das erfüllt,
was die Aufnahme der Graupner-Quvertüren verspricht, dann hat man
selten Alte Musik so lebendig und frisch gehört.