Pressestimmen zur Christoph-Graupner-gesellschaft  e. v.
 

Darmstädter Echo   03.06.2008

Fürstliche Abendunterhaltungen

Konzert: „Antichi Strumenti“ spielt höfisch-darmstädtische Kompositionen des Barock – Beginn einer Aufführungsreihe

DARMSTADT. Vorbei sind die Zeiten, in denen Barockmusik in historischer Aufführungspraxis dünn klingen musste, um authentisch zu wirken. Ein Beispiel davon gab am Sonntag im Vortragssaal des Darmstädter Schlosses das Ensemble „Antichi Strumenti“, das sich volltönend der Musik aus Darmstädter Handschriften widmete. Diese Manuskripte aus dem Besitz der Darmstädter Landgrafen bewahrt die Musikabteilung der Landes- und Universitätsbibliothek.

In einer losen Reihe von Konzerten will man dieses Erbe wieder zu Gehör bringen. Gleichzeitig diente die Auftaktveranstaltung der Vorstellung einer neuen CD mit zwei Suiten von Christoph Graupner (geboren 1683 in Kirchberg, gestorben 1760 in Darmstadt), die „Antichi Strumenti“ vor kurzem herausgebracht hat.

Graupners Musik bildete den prachtvollen Beginn eines Konzerts, das den Spagat zwischen authentischer Spielweise und modernen Hörgewohnheiten vollbringen wollte. Dazu gehört, dass man sich Gedanken darüber macht, wie denn im 18. Jahrhundert nun tatsächlich musiziert wurde. Man weiß es nicht genau, erläuterte Tobias Bonz, der Leiter von „Antichi Strumenti“. Hörten die Gäste am Hof der Musik genau zu? Waren die Aufführungen der Hofkapelle vielleicht doch eher Hintergrund? Bonz brachte seine Überlegungen auf den gemeinsamen Nenner, dass die Musiker damals wie heute unterhalten wollten. Zudem seien barocke Werke häufig mit einem bunten Spektakel unterlegt gewesen. Ursula Kramer, Musikwissenschaftlerin aus Mainz und Vorsitzende der Graupner-Gesellschaft, steuerte ein gerade erforschtes Detail hinzu: Im Nordflügel des Darmstädter Schlosses gab es zu Graupners Zeiten einen Musikpavillon, der unterkellert war. Die Musiker spielten aus dem Keller heraus, die Klänge wurden mit Durchlässen in den Ecken des Pavillons in den Raum übertragen, wo die Musik wie aus dem Nichts erklang. 1833 wurde dieses Kleinod zerstört.

„Ein bisschen Spektakel“ wollten die Musiker auch am Sonntag für die Zuhörer bereithalten. Zur Begleitung von Graupner, Fasch und Telemann hatte man Amin el Barkaoui gebeten: Tänzelnd, radschlagend, jonglierend und auf den Händen laufend war er ein wirkungsvoller Spaßmacher. Selten durfte man sich so offen freuen über einen Zuhörer mitten im Publikum, der den Gelangweilten mimte.

Zweieinhalb Stunden Barockmusik könnten ein wenig eintönig wirken, zumal die 16 Musiker des Ensembles ihr Programm – abgesehen von einer Pause in der Mitte des Konzerts –  ohne Unterbrechung zwischen den Werken durchspielten. Doch Differenzen waren auch so zu hören. So erinnerten der Glanz und die Prachtentfaltung von Graupners Suite D-Dur, GWV 420 an Händels Orchestermusik, und Johann Friedrich Faschs Ouvertüre bot innige, anrührende Momente. Der große Experimentator Telemann benutzte in seiner Suite zu „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift ungewöhnliche Instrumentenkombinationen und lieferte Tongemälde von Liliputanern und Riesen. Das auf historischen Instrumenten spielende Ensemble ließ es sich nicht nehmen, am Ende noch den Finalsatz aus einer zweiten Suite von Graupner als Zugabe intonieren, noch einmal wirbelte el Barkoui in atemberaubenden Kunststücken durch den Raum. Ausgezeichnet unterhalten bedankten sich die Zuhörer mit anhaltendem Applaus.

Die Platte
Christoph Graupner, „Suite de Suites“, Ouvertüren GWV 420 und GWV 421, Antichi Strumenti ist beim Label Stradivarius unter der Bestellnumner STR 33797 für 18 Euro erhältlich.

Susanne Döring
3.6.2008

 
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